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Veröffentlicht: Dienstag, 16. September 2014 10:55
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Geschrieben von Karl Fr. Eckhardt
Hauptsächlich aus Regimentsgeschichten berichteten wir von fünf Priesterhinrichtungen im Umkreis des Braunschweiger 92er Regimentes während der Eroberung des neutralen Belgiens im ersten Weltkrieg.
Aus korrespondierenden belgischen Quellen kannten wir auch die Namen von vier der fünf hingerichteten Geistlichen: es waren die Patres Dossogne, Hottlet, Docq und Pollart. Die Identität des fünften hingerichteten Geistlichen konnten wir nicht leicht ausfindig zu machen. Er kam nicht aus Oret, dem Ort der Exekution, und war auch nicht Priester der dortigen Kirche. Sein Name ließ sich aber über das Todesdatum, den 24. August 1914, ermitteln (Dank an Norbert Fischer für den Hinweis). Es war Abbé Louis Berlier aus Biesme. Der mit ihm erschossene Zivilist war Camille Bodart aus Le Roux.
Schon Abbé Dossogne aus Hockai wurde beim Einmarsch in Belgien von den deutschen Eroberern in das ca. 8 km entfernte Tiège als Geisel und Schutzschild mitgenommen, wo er dann hingerichtet wurde. Nach gleichem Muster wurde Abbé Louis Berlier von Biesme als Geisel in das ca. 5 km entfernte Oret mitgenommen und dort dann erschossen. Major a. D. Fr. von Sobbe beschreibt die Geiselnahme im Fall des Abbé Dossogne (Geschichte des Infanterieregiments 92, S. 28) als eine paradigmatische Vorgehensweise für die deutschen Eroberer, die sich bewährte:
Sehr zweckmäßig erwies sich die Mitnahme von Geiseln von einem Dorf zum andern, wodurch Feindseligkeiten der Bewohner vorgebeugt wurde.

Abbé Berlier war 23 Jahre alt und besuchte das Priesterseminar in Tournai. Das Seminar hatte im ersten Weltkrieg 60 Geistliche zum Sanitätsdienst in der Armee abgestellt, darunter Berlier.
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