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Veröffentlicht: Sonntag, 07. September 2014 22:04
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Geschrieben von Karl Fr. Eckhardt
Die Kirche in Deutschland nahm im ersten Weltkrieg zwiespältige Rollen ein. So wurde der Krieg religiös überhöht bis
zu einer nationalreligösen Heiligung des Krieges überhaupt, wobei sich die Sprache der Theologen mit ihren exzessiven Zauberformeln bis hin zu einer bizarren Blasphemie überschlug. (Wehler, Gesellschaftsgeschichte, Bd. 4, S. 23)
Dies Phänomen wurde von Dietrich Küssner besonders auch im Hinblick auf Braunschweiger Quellen beschrieben ("Mit Gott? - Für Kaiser, Volk und Vaterland."; Wehler S. 21-26; bibliogr. Nachweise S. 1004-1005).
Dann wendet sich der "geheiligte" Krieg auch gegen die Kirche selbst. Soweit die kirchlichen Institutionen sich diesen nationalreligiösen Zielen entgegenstellten, oder auch nur scheinbar entgegenstellten, wurden sie zum Gegner und sollten in der Folge vernichtet werden.
a) Roselies
Im belgischen Bergarbeiterdorf Roselies an der Sambre wurde das Braunschweiger Infanterieregiment Nr. 92 Ende August 1914 das erste Mal in Kämpfe verwickelt. Als dort, 100 Jahre später, der Braunschweiger Ratsherr Peter Rosenbaum an Gedenkfeiern teilnahm, fand er ein Denkmal für den Pfarrer von Roselies, Joseph Pollart, den "guten Hirten seiner Gemeinde", der am 23. August 1914 hingerichtet wurde, einen Tag nachdem die intensivsten und verlustreichsten Kämpfe um das Dorf stattgefunden hatten und die Schlacht zu Gunsten der deutschen Eroberer gegen die französischen Verteidiger entschieden war.

Weiterlesen: "Pfarrer u. dessen Schwester aufgehängt. Häuser abgebrannt." - Belgien im August 1914