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Kaum noch Karten für "Nabucco": Auf dem Burgplatz wird diesmal Niemand doppelt füsiliert

 

Zurück zu den Ursprüngen: Mit Verdis „Nabucco“ wollen Regisseur Klaus Schreiber, Generalintendantin Dagmar Schlingmann, BS-Energy-Vorstandsvorsitzender Julien Mounier, Bühnenbildnerin Corinna Gassauer und Generalmusikdirektor Srba Dinic (v.r.) eine grosse Inszenierung unter den Burglöwen legen. Foto: Staatstheater Braunschweig / Phillip Ziebart

Das „Burgplatz Open Air“ bringt dem Braunschweiger Staatstheater fast so viele Zuschauer, wie das Weihnachtsmärchen oder alle Aufführungen im Kleinen Haus zusammen. Da wundert es nicht, wenn Generalintendantin Dagmar Schlingmann sich ihres müpfigen Kurses besinnt, und sich nach einem öden Musical („Hairspray“) und einer zu modernen „Carmen“ (die Protagonistin erlitt gleich doppelt den Bühnentod durch Erschiessen vor und nach der Pause) auf einen der größten Klassiker des Musiktheaters einlässt. In diesem Jahr wird der „Nabucco“ gegeben. Inszeniert nicht von der Intendantin selbst, sondern von Gastregisseur Klaus Christian Schreiber.

Missgeschick bei der Enthüllung des „Nabucco“-Plakats: Ausgerechnet der Regisseur verhüllte sich bei der Enthüllung des Plakats selbst. Foto: braunschweig-spiegel

Der will den Kassenfüller konservativ anlegen. Aus dem aufgeschütteten Sand des Burgplatz-Rundes soll zwar das Grab der Abigaille ausgebuddelt werden. Und Schreiber sieht das Stück eher als „Kriminalgeschichte“ denn als eine Auseinandersetzung von Macht, Glaube und Religion. Aber ansonsten verspricht die Inszenierung ordentliches Handwerk. „Ein Entwurf mit Leidenschaft. Eine Oper mit großem Chor, viel Pomp und einer großen Liebesgeschichte“, so Dagmar Schlingmann. Sollte der berühmte „Gefangenenchor“ dann zweimal anstimmen, wird sich bestimmt kein Zuschauer beschweren. Hauptsache, Nabucco wird nicht zweimal füsiliert. Im Idealfall stirbt er tragisch in geistiger Umnachtung oder bleibt der Menschheit erhalten.

Generalmusikdirektor Srba Dinic soll auch 2019 dafür bürgen, dass der Inszenierung ein geschlossener Klang innewohnt. Neben Chor und Extrachor greift er gleich auf sechs aushäusige Solistinnen und Solisten für die Hauptrollen zurück. Mit Ivan Krutikov als Titelfigur (Ensemble Theater Bonn) und Dorothea Spilger (die Mezzosopranistin ist schon in „Die Passagierin“ in Braunschweig gastweise im Einsatz) sind Partien besetzt, die das Braunschweiger Haus offenbar selbst nicht mehr stemmen konnte. Wo sind die tollen Sängerinnen des letzten Jahres abgeblieben?

Bühnen- und Kostümbildnerin Corinna Gassauer will in diesem Jahr die ProtagonistInnen „mit Anspielungen an die Entstehungszeit“ des Stückes ausstatten (Pressetext). Hoffentlich tut sie das nicht, denn das Stück entstand 1842. Der junge Giuseppe Verdi (damals 29) wollte es eigentlich schon in die Tonne hauen, als ihn der Intendant der Mailänder Oper aufforderte: „Weitermachen, wir bringen das.“ Was hinten rauskam, war ein unerwarteter Welterfolg.

Angelegt im „babylonischen Zeitalter“ („Nabucco“ ist das Kürzel für den bösen König Nebukadnezar, dem bis heute Champagnerfreunde für seine XXXL-großen Flaschen huldigen), entführt die Handlung die ZuschauerInnen in einen Abgrund aus Machtgier, Machtmissbrauch, religiöser Intoleranz und Herzensverwirrung, die für eine Woche „Rote Rosen“ reicht.

BS-Energy sponsort mit den Gebühren der Stromzahler auch in diesem Jahr das Spektakel im Rund der Bühnenkonstruktion, die einem römischen Amphitheater nachgebildet ist. Vorstandsvorsitzender Julien Mounier: „Es ist unsere DNA, hier die Kultur zu unterstützen“. So würde der Energiekonzern mit positiver Milliardenbilanz wieder „100 Schüler in die Oper“ einladen. Grazie mille.

Wer nicht zu den glücklichen Gesponorten gehört, muss sich seine Karte selbst kaufen: Schüler/Innen ab 16,-€, PremierenzuschauerInnen für 61,- €. Für 5,-€ gibt's dann noch eine Führung durch die Kulissen dazu und für bis zu 33,50 € das „Burgplatz-Menü“ im benachbarten Ristorante „Al Duomo“. Karten unter www.staatstheater-braunschweig.de oder unter Tel. 0531-1234567.

Fast 70 Prozent der Karten sind schon jetzt vergriffen, freute sich die Generalintendantin. Das Burgplatz-Open-Air ist eben ein kleines Braunschweiger Happening.

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