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Kommentar zur BenQ-"Insolvenz"

Spätestens als Franz Müntefering 2004 die Metapher von den Heuschrecken erfand (Siehe auch), verstanden auch einfache Menschen wie der Marktradikalismus internationaler Konzerne funktioniert. Einflussreiche Stimmen aber warnen schon lange vor diesem Problem der Globalisierung, das ja nicht erst Herr Müntefering entdeckt hat. Hans-Joachim Selenz hat schließlich im Oktober 2005 in seinem Kommentar „Börsen-Blasen“ die Zukunft der Siemens/BenQ-Handy-Sparte als völlig offen bezeichnet.

Dass jedem neuen Fall einer Heuschreckeninvasion auf den Feldern deutscher Industriebetriebe ein Aufschrei folgt, als wäre dies ein skandalöser Einzelfall, ist daher nicht mehr nachvollziehbar.

Die Stadt Bocholt und sogar das Land NRW haben die übernahme 2005 noch positiv gesehen. "Total überrascht" zeigte sich nun der Vertreter der Stadt Bocholt Bernd Hagmeyer im Interview. Siehe Interview im WDR (Video 1)

Wolfgang Nettelstroth, IG-Metall NRW, sagte am 28.9. im WDR-Fernsehen, dass das Vertrauen, das die Gewerkschaft 2005 noch in die übernahme-Vereinbarungen hatte, gebrochen wurde. Siehe Interview im WDR (Video 2).

Dass solche Naivität - trotz aller warnenden Stimmen und Erfahrungen - nun endgültig Geschichte ist, bleibt hoffentlich kein frommer Wunsch.

In ihrem kindlichen Vertrauen mit vorauseilendem Gehorsam hat sich die Gewerkschaft den angeblichen Notwendigkeiten gebeugt, als sie die Lohnkürzungen unter BenQ akzeptierte. Das zu rechtfertigen wird schwer! Aber aus Fehlern lässt sich lernen, eine weitere Gelegenheit wird nicht lange auf sich warten lassen. Für die Verhandlungen der nächsten Übernahme, wo auch immer, haben Gewerkschaften nicht erst seit BenQ wertvolle Argumente zur Hand. Bleibt das ungenutzt, müssen wir uns fragen, können sie nicht oder wollen sie nicht oder was steckt dahinter?

In der Zwischenzeit werden wir wohl wieder gefüttert mit Spekulationen, Lügen und Dementis, bei deren Verbreitung die Presse gute Dienste leistet. So auch bei BenQ geschehen, dass der Vorgang sich wie ein Schmierentheater ausnimmt. (Siehe Regie am Ende dieses Artikels)

Auf diese Weise werden die Arbeitnehmer gehüllt in eine Atmosphäre des Hoffens und Bangens, dass ihr Arbeitgeber ein wahrer Menschenfreund sei, und sich erbarmt und am Ende doch alles gut wird. Ein Wechselbad der Gefühle, das manchmal noch in der Erleichterung gipfelt, dass es diesmal den anderen getroffen hat.

Widerstand als Institution funktioniert nicht, das beweist auch dieser Vorgang erneut: Wann und wo findet eigentlich der Generalstreik statt?

Regie:

28.07.2005: übernahme

24.08.2006: Geschürte Hoffnung

18.09.2006: Warum die IFA viel besser ist als die CEBIT

20.09.2006: Dementi

29.09.2006: Insolvenzantrag

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