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Masthühner mit Antibiotikazusatz in Niedersachsen

"In 85 Prozent überprüfter niedersächsischer Masthühnerbetriebe werden nach einer Studie des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums Antibiotika eingesetzt. "Ich will Missbrauch im Einzelfall nicht ausschließen", sagte Agrarminister Gert Lindemann (CDU) am Donnerstagmorgen im Landtag." (Siehe Braunschweiger Zeitung von heute).

Wen überrascht diese Aussage des Ministers? Niemanden! Denn es gibt keinen Grund anzunehmen, dass in den anderen Bundesländern, zumal in Niedersachsen, unterschiedlich gehandelt wird. In Nordrhein-Westfalen war dieses Verhalten der Mäster vor wenigen Wochen zuerst aufgefallen. Sie alle stehen unter demselben selbsterzeugten Konkurrenzdruck. Auch der immer wieder gern genutzte Hinweis von Minister Lindemann auf die Einzelfälle überrascht nicht. Damit werden die Hühnermäster als wichtiger Wirtschaftszweig in Niedersachsen schon mal vorbeugend unter ministeriellen Schutz genommen, womit das seit Jahren einstudierte und bewährte "Krisen-Reaktions-Management" (KRM) beginnt.

Doch der sog. Einzelfall ist der Regelfall, denn kranke Hühner gibt es in den Massentierställen immer, schon wegen der Haltungsbedingungen. Aber lassen wir uns doch mal auf die Einzelfallbetrachtung ein:

Es wäre also zu klären, wie die kranken Hühner aus der Masse ausgesondert und mit Antibiotika behandelt werden, denn Antibiotika werden durch das Futter verabreicht. Eine Krankenstation (Quarantäne) wäre unumgänglich, wenn nur die kranken Hühner, wie es das Gesetz vorschreibt, behandelt werden dürfen. Diese Stationen gibt es aber nicht und sie wären bei der durchrationalisierten "Produktion" auch zu teuer. Dem zufolge werden alle Hühner, also auch die vermeintlich gesunden, ohne "stationäre Behandlung" mit Antibiotika gefüttert. Oder, eine weitere Möglichkeit mit hoher Wahrscheinlichkeit tut sich auf: fast alle Hühner sind krank und behandlungsbedürftig. Der Hühnerstall wäre dann also die Krankenstation und dazwischen säße der Tierarzt.

Vielleicht ist das die zynische Antwort der Verantwortlichen im Hähnchenmast-Antibiotika-Skandal. Und wer sind die Verantwortlichen: der Minister Dr. Lindemann mit seinem Landwirtschaftsministerium, die dieses System tragenden Parteien, die Aufsichtsbehörden, die verantwortlichen Tierärzte, die Antibiotikahersteller und die Mästern mit ihren Verbänden. Dass das Mastsystem vom Kopfe her stinkt wurde im Braunschweig-Spiegel "Tierhaltung in Massen - Wer trägt die Verantwortung? Teil 1" umfassend erläutert.

Eine mögliche Antwort der Verbraucher wäre diese. Siehe Beitrag zuvor.

 

 

 


Kommentare   
 
0 #1 Joachim Casper 2011-11-11 09:51
moin,

das ist ja eine schöne aufstellung der verantwortlichen - aber eine wesentliche gruppe fehlt : der ko-produzent ( verbraucher bzw. käufer . jeder einzelne von uns hat die chance tierhaltung im großen stil zu minimieren ... beim kleinen landwirt auf dem markt einkaufen, gezielt produkte von bauern aus der region im inhaber geführten lebensmittelhandel kaufen sind nur zwei beispiele. klar kostet das etwas mehr beim fleisch - aber seien wir doch mal ehrlich die gesamtwirtschaftlichen kosten der massentierhaltung werden in den preisen der discounter in keinsterweise berücksichtigt. ich möchte hier gerne mal auf den artikel in der taz hinweisen : www.taz.de/greenwashing/!81178/ und auf die anstrengungen von www.slowfood.de - das sollte einfach mal zum nachdenken anregen und vor allem zum handeln. nicht potestieren, sondern einfach besser machen ist das mittel.
 
 

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