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Die Suche nach dem Eremiten

Der aktuelle Fund von Larven des Eremiten auf der Rodungsfläche des Querumer Waldes wirft Fragen nach früheren Untersuchungen auf.

Von Ende Juni bis Ende August 2004 hatte man sich auf die Suche nach dieser streng geschützten Käferart gemacht. Im Zusammenhang mit dem „Antrag auf Änderung des Planfeststellungsantrages“ zum „Ausbau des Forschungsflughafens Braunschweig-Wolfsburg“ ließ  die Planungsgemeinschaft LaReG im Auftrag der Flughafengesellschaft Tiere und Pflanzen kartieren. Rainer Theunert übernahm die Suche nach Totholzkäfern. Einen Eremiten fand er zwar nicht, aber Bäume im Sickbruch, die „fundverdächtig“ waren und auch dokumentiert wurden.
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Eiche mit Höhleneingang in 6m Höhe (Pfeil oben) und herausrieselndem Mulm (unten)
(Foto Theunert, 22.7.2004)

Da diese „systematische Suche“ (S.78) nur „unter Zuhilfenahme  eines Fernglases“ durchgeführt wurde und es wahrscheinlich keinen weitergehenden Auftrag gab, wurde der verdächtige Baum offensichtlich nicht weiter untersucht. Es wäre dazu wohl nur eine entsprechende Leiter erforderlich gewesen.

Theunert stellt dann selbst die Frage, ob eine Art, die „im Vorhinein als möglicherweise vorhanden eingestuft wurde“, vielleicht nur übersehen wurde. Er stellt dar, dass vor allem kleinere Populationen nicht in jedem Jahr nachgewiesen werden können – zieht aber nicht die folgerichtige Konsequenz, dass dann umfassendere Untersuchungen notwendig wären, zumal bekannt ist, dass der Eremit zu den wenigen hoch geschützten Tierarten gehört. Durch die FFH-Richtlinien (FFH Flora Fauna Habitat) sind Gebiete, in denen das Tier vorkommt, als Schutzgebiet auszuweisen. In seinem Gutachten betont Theunert unmissverständlich: „Für das Untersuchungsgebiet kann ein Vorkommen des Eremiten keinesfalls ausgeschlossen werden!“ (S.82)


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Liegengebliebener Eichenstamm mit etwas Mulm an der Schnittstelle
(Foto Theunert, 22.4.2004)

Auch ein Eichenstamm, der „möglicherweise…Reste Mulm bewohnender Käfer, z.B. Eremiten“ enthalten könnte, wird nicht näher untersucht. „Das Innere der Höhle könnte nur nach Aufsägen des Stammes untersucht werden.“(S.83) Das unterblieb offensichtlich. Fürchtete man, tatsächlich etwas zu finden?

Natürlich weiß jeder Gutachter, dass ein derartiger Fund erhebliche Schwierigkeiten für den Auftraggeber bedeutet hätte. Der nächste Auftrag würde wahrscheinlich an ein anderes Büro gehen. Hat deshalb „die Schere im Kopf“ dazu geführt, dass es keine weiteren Untersuchungen gab?      

Es folgen lediglich „Empfehlungen zur weiteren Vorgehensweise“:
„Durch Aufsägen des…Eichenstammes könnte bereits ein wichtiger Fundhinweis des Eremiten erbracht werden.“ Falls es in der Stammhöhle Käferreste geben sollte, „muss es als wahrscheinlich erachtet werden, dass sich Larven des Eremiten wenigstens in einer der in unmittelbarer Nähe stehenden alten Eichen entwickeln. Die schwierige Nachweisführung im Gelände verbunden mit der weiterhin bestehenden Aussicht auf ein Vorkommen erfordert eine bessere Absicherung der Frage, ob der Eremit im Sickbruch lebt, zumal er aktuell aus einem Wald nur rund 10 Kilometer entfernt belegt ist“. (S.83)

Es stellen sich nunmehr folgende Fragen:
Wer ist dafür verantwortlich, dass den Hinweisen nicht nachgegangen wurde?
Wurde nach den Hinweisen im Gutachten die zuständige Naturschutzbehörde informiert?
Werden in den vorhandenen Waldbeständen, insbesondere um die zerstörte Fläche, aber auch im gesamten Querumer Forstgebiet, Untersuchungen zum Vorkommen des Eremiten durchgeführt?
Besteht ein Plan, oder wird daran gearbeitet, wie bei weiteren Funden mit dem Habitat entsprechend der FFH-Richtlinie umzugehen ist?

(Die Autorin ist Mitglied im Beirat des BUND Braunschweig)

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