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Filmpremiere: Water Makes Money.

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Heute, am Donnerstag, hatte der Dokumentarfilm „Water makes money“  von Leslie Franke und Herdolor Lorenz zur Wasserprivatisierung Premiere und zwar zeitgleich in über 100 deutschen, französischen und anderen europäischen Städten und Gemeinden. Obwohl der Film hauptsächlich die Situation in Frankreich betrachtete, war Braunschweig mit Oberbürgermeister Dr. Hoffmann und Ratsherr Peter Rosenbaum (BIBS) prominent vertreten. Beide selbstverständlich mit unterschiedlichen Positionen.

So langsam wird die Wahrheit an die Oberfläche gespült. Ausgerechnet in ihrer Heimat stehen die französischen Platzhirsche im Wasser-Weltmarkt Veolia und Suez massiv in der Kritik. Dort haben die Konzerne die Wasserversorgung weitgehend unter Kontrolle und dort sieht es Jahre nach der Privatisierung schlecht aus. Bürger und Gemeinden, Paris vorweg, haben von den miserablen Leistungen der Wasserkonzerne die Nase gestrichen voll. Die Preise sind 20-60% höher als bei den staatlichen Versorgern, das Trinkwasser muss gechlort werden, weil die Leitungen marode sind, und besonders skandalös sind die Geheimverträge zwischen Konzernen und Gemeinden. Alles ist der demokratischen Kontrolle entzogen. Der Oberbürgermeister von München Uhde brachte es auf den Punkt.

Ein ehemaliger höherer Mitarbeiter von Veolia sprach offen von Korruption. Kaum ein Vertrag würde abgeschlossen, bei dem nicht Korruption im Spiel gewesen sei. Um ihre Macht zu sichern und weiter auszubauen haben die Konzerne enge Verbindungen zur Politik. Sie haben ihre Leute an wichtigsten Positionen, sei es in den nationalen Regierungen oder auch bei der EU in Brüssel.

Wie ein Leitfaden zog sich das Thema Nachhaltigkeit durch die Dokumentation. Nachhaltigkeit nicht im Sinne der Wasserkonzerne, die dieses Wort gerne in ihren Werbekampagnen verunstalten, sondern tatsächliche Nachhaltigkeit für kommende Generationen. München kann hier als Beispiel dienen. Französische kommunale Entscheidungsträger pilgern inzwischen nach München, die Stadt, die eine langfristige Trinkwassergewinnung auf höchstem hygienischen Stand gewährleistet. Solche Nachhaltigkeit gewähren die Wasserkonzerne nicht. Ihr Anspruch ist nämlich die Gewinnmaximierung! Nachhaltiges Wirtschaften erfordert eine geplante Vorsorge über Generationen für dieses wichtigste Lebensmittel und nicht vierteljährliche Quartalsberichte an die Börse über den Gewinn.

Und Braunschweig? Selbstverständlich sprach der Oberbürgermeister im Interview über Schuldenreduzierung durch die Privatisierung. Er sprach nicht davon, dass letztendlich Veolia nichts bezahlt hat, dass der sog. „Kaufpreis“ von den Banken kommt und dass die Bürger über ihre Wasserrechnung alles zu bezahlen haben. Das sagte allerdings Peter Rosenbaum! Es grenzte schon an Zynismus als Dr. Hoffmann leicht gequält in die Kamera lächelte und sinngemäß meinte, dass die Verkaufsverträge (ca. 2000 Seiten) ohnehin kaum jemand verstehen würde.

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Doch nicht nur in Frankreich wächst der Widerstand. In Ländern Europas, in Lateinamerika, USA oder Afrika (Nairobi) fordern und bekommen die Menschen ihre Wasserversorgung zurück, und so unter demokratische Kontrolle. In Braunschweig laufen die Verträge noch etwa 25 Jahre. Jahr für Jahr werden neue Schulden als "Rückkaufwert" für die nächste Generation aufgehäuft. Sie werden sehen, was sie dann zurück bekommen und wie hoch die Rechnung am Ende für sie sein wird. Über das „Wunder von Braunschweig“, über das die neoliberale Presse, einschließlich die Braunschweiger Zeitung jubelten - der Oberbürgermeister von Braunschweig wurde als eine Art Wirtschaftsmessias hochstilisiert. Als Offenbarung bleibt am Ende regelmäßig nur der Offenbarungseid. Die Realität nach vielen Jahren der Wasserprivatisierung in Frankreich und anderen Ländern zeigt, dass es Wunder nicht gibt, und schon gar nicht in der Ökonomie, wenn ausschließlich kurzfristiger Profit der Maßstab ist.

Siehe zum Thema auch das Interview von Gitta Düperthal.

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